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Hunte Report - Ersch.-Ort: Oldenburg
Tageszeitung 29.07.2007
Auch die grüne Mamba hält Ursula Jastrow nicht auf
Von Sven Hunger-Weiland
Oldenburg. Dass ein Seniorenheim seine Bewohnerinnen und Bewohner mehr oder weniger zur Untätigkeit verdammt, ist nicht unbedingt Gesetz. Ursula Jastrow ist dafür ein gutes Beispiel: Die rüstige Rentnerin, die seit einiger Zeit im betreuten Wohnen des Seniorenwohnstiftes Kreyenbrück lebt, bereitet sich gerade auf ihre zwölfte Reise ins afrikanische Togo vor — mit Geld und Hilfsgütern im Gepäck.
Seit ihrer Pensionierung engagiert sich die ehemalige Studiendirektorin der BBS Wildeshausen für das kleine westafrikanische Land. „Das Engagement entstand durch Zufall. Damals suchte der Senior-Experten-Service nach ehrenamtlichen Helfern, und da habe ich mitgemacht“, berichtet sie. Ein halbes Jahr lang verbrachte sie in dem Dorf Sodo und brachte den jungen Frauen dort hauswirtschaftliche Inhalte bei. Mit der Zeit wurde aus dieser ‚Zufallsbekanntschaft“ eine echte Leidenschaft.
Mit Hilfe des Mitbegründers der Togo Freunde Hannover e.V., Koku Klutse, der dort ebenfalls Entwicklungsarbeit leistet, gelang es ihr, in den Jahren eine regelmäßige Arbeit aufzubauen. Die Hilfe zur Selbsthilfe steht dabei immer im Vordergrund“, erklärt die 82-Jährige. Mit reichlich Spendengeldern, aber auch vielen Hilfsgütern, die sie hier gesammelt hat, leistet sie einen Beitrag dazu, die eine oder andere Versorgungslücke zu schließen. Dabei geht sie auch ungewöhnliche Wege. So hatte sie auf einer Tour zu einem AIDS - Projekt nicht nur reichlich lnfomaterial für die Schulen, sondern auch 700 Kondome im Gepäck...
Im Laufe der Jahre hat sie vielen Projekten dort auf die Sprünge geholfen, sei es eine Seifenmacherei, eine Bäckerei, Kindergartenprojekte, eine Schneidergruppe oder Gärtnerei: „Die meisten dieser Projekte haben sich gut entwickelt“, beobachtet sie nicht ohne einen gewissen Stolz. Durch ihre regelmäßige Anwesenheit kann sie sich ein Bild darüber machen, ob und wie die Spenden verwendet werden. Körperliche Mühen und Gefahren hat sie nie gescheut. Selbst zwei Malaria-Erkrankungen oder eine äußerst giftige grüne Mamba- Schlange im Schrank haben sie nicht abgeschreckt.
Kondome gehen im September nicht auf die Reise. Diesmal sind es vor allem Spenden - mehrere Tausend Euro - die in ein Wiederaufforstungsprojekt fließen sollen: „Die Menschen sollen die Möglichkeit erhalten, Teak anzupflanzen. Das wächst zwar nicht ursprünglich in Togo, ist aber eine gute Möglichkeit auf schnelles und langfristig sicheres Einkommen“, erklärt sie. Ein weiterer Schwerpunkt läge in einer Backgruppe, die sich auf das Backen mit einer einheimischen Getreidesorte spezialisiert hat - ein weiterer Schritt zu etwas mehr wirtschaftlicher Unabhängigkeit für die Togolesen, mit 0ldenburger Hilfe.
Für Hausleiter Thomas Beier, dessen Haus jetzt das Spendensäckel mit 300 Euro aufgestockt hat, passt das Engagement der Bewohnerin gut zur Philosophie des Hauses: „Leben
wie ich es will, heißt unsere Devise. Schließlich hat Alter nichts mit Untätigkeit oder Fremdbestimmtheit zu tun.“
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