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Nordwest Zeitung - Deutschland
Tageszeitung 6.10.2007
WORT ZUM SONNTAG
- Gut aufgehoben -
"Gottsei Dank, hier bin ich gut aufgehoben!"
Bei meinem Besuch am Bett einer Schwerkranken fiel kürzlich dieser Satz — und er kam aus vollem Herzen. Erst kurz vorher hatte sie sich entschlossen, „ins Heim“ zu gehen, wie man so sagt.
All‘ die übliche Skepsis und Angst vor einem fremd bestimmten Leben und einer mechanisierten Pflegesituation waren mit ins Heim umgezogen. Nur der Druck aufgrund der zu Hause kaum noch leistbaren Pflege hatte sie zu diesem Schritt bewogen.
Lieber sich in den „Heim-Alltag“ ergeben, als die Angst vor dem nächtlichen Alleinsein und der fehlenden Betreuung ertragen müssen. Und dann das: Bei ihrem Einzug standen Blumen auf dem Tisch. Das Zimmer war für ihre körperlich-medizinischen Bedürfnisse gründlich vorbereitet worden. Das Aufnahmegespräch verlief freundlich und persönlich. Es wurde der Kranken versichert, ihr Zimmer könnte sie individuell gestalten. Und so erkannte sie: "Hier bin ich gut versorgt! Sogar nachts kommt jemand, wenn ich Hilfe brauche."
Die Medien sind voll von Berichten über Pflegemissstände in Altenheimen und in Krankenhäusern. Sicherlich ist heute so manche Klage über den Pflegenotstand berechtigt. Aber sehr schnell werden hierbei der enorm gestiegene Bürokratiedruck und die zum Teil im Minutentakt vorgeschriebenen Pflegehandlungen zu Lasten des Personals als mangelndes Engagement für die Patienten ausgelegt.
Selten tauchen Berichte über das oftmals freundliche Miteinander auf Wohnetagen und Pflegestationen auf. Der Pflegeberuf in Seniorenheimen und Krankenhäusern ist einer der schwersten überhaupt, den unsere Gesellschaft zu bieten hat. Die psychischen Belastungen und auch der körperliche Einsatz sind enorm hoch. Mit bewundernswerter Gelassenheit und Freundlichkeit bewältigen dennoch viele Pflegerinnen und Pfleger den schwierigen Alltag für ihre Patienten und sich selbst. Eines sollte dabei auf keinen Fall verloren gehen: die Achtung vor den Hilfebedürftigen — und vor dem Pflegepersonal.

Christoph Sibbel ist Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Josef in Oldenburg

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